Vom Beten und Segnen
Wir hatten ein wunderbares Spargelessen. Das Wetter
war himmlisch, und so saßen wir auch draußen im
Garten.
Unser junger Freund, der angehende Priester, wurde
gebeten, das Mahl vorher zu segnen.
In liebevoller Stimme begann er, ein freies Gebet
aufzusagen.
Aber mir war seine Stimme zu jugendlich.
Er sprach
mir zu schnell, zu inhaltsreich.
Es war mir zu hastig, wie er durch die "Formeln"
hastete, um den Abschlußsegen zu sprechen.
Muß ich betonen daß er evangelisch war ?
Haben Generationen desinteressierter Kirchenbesucher
die Priester dermaßen frustriert, daß sie ihre Gebete
nur noch schnell und oberflächlich vortragen ?
Ist Beten zu einer Peinlichkeit geworden ?
Ich bat ihn, demnächst seine Stimme zu senken,
nach dem Dank an "den Vater" eine Pause zu machen,
damit die anderen Bereich, die sprachlosen Ebenen in
uns, dem Gehalt der Worte nachschwingen könnten,
so wie eine Gitarrensaite schnell angezupft wird, aber
noch lange nachklingen kann.
Legen evangelische Pastoren den Wert zu sehr auf die
Inhalte, als die Wirkung ?
Geht es ihnen ausschließlich um die richtigen Formeln,
aber nicht mehr um die Wirkung, um die inszenierte
Darstellung des Wesens ihrer Botschaft ?
Haben Theologie-Studenten im Wettstreit und dem
Verwirrspiel theologischer Hochschulen den Bezug zu
den eigenen Empfindungen verloren ?
"Wenn man Effekte erzeugt", sagte im Tischgespräch
hinterher unser Freund, "wird uns das in der Kirche als
Manipulation ausgelegt."
Ich bat ihn, sich selber als Empfindung einzubringen.
Eine Formel allein mag in der Mathe