So tun als ob.
Auf einem meiner Ausbildungskurse in
Emotional Clearing (EmC) wollte ich am Ende die Teilnehmer
bitten, sich gegenseitig Sitzungen auf das Thema zu geben,
wie klar ihnen jetzt das Thema EmC selber geworden war.
Ich durfte mich mit einem etwa 50 Jahre alten Heilpraktiker
austauschen, der sehr erfolgreich war.
Aber schon nach der ersten Frage hatte er seine Zweifel.
"Immer wenn ich Patienten behandle, und es ergibt sich
nicht sofort ein Besserung, beginne ich zu zweifeln."
Ein näheres Untersuchen ergab, daß das schon seit seiner
Kindheit in ihm war.
Damals kamen die Evangelisationen aus Amerika nach
Deutschland, und die Jugendlichen der Gemeinde wurden quasi "gezwungen",
als gute Vorbilder im Anschluß an die Veranstaltung
nach vorne zu gehen, damit auch andere Besucher diesem Beispiel
folgen könnten.
Aber diesem Jugendlichen war überhaupt nicht wohl dabei.
Sein Vater war Priester, und es mußte jeden Tag gebetet
werden.
"Und immer wieder sollte man sein ganzes Leben dem
Christus übergeben!", klagte er.
"Da hat sich diese Einstellung breitgemacht, die
so tun als ob wurde.
"Die habe ich seitdem beibehalten.
Aber im Grunde genommen habe ich mich selber verraten,
und den Druck der Evangelisten nicht aushalten können."
Erzwungene Gebete, Gunstbezeugungen und
Wertschätzungen haben keinerlei Wert.
Besonders jungen Menschen darf man nicht
die Unsicherheit in den Empfindungen noch
weiter verunsichern, indem man "heilige" oder
"garantiert kirchliche" oder "himmlische" Werte
verlangt oder gar aufzwingt.
Doch leider steht dahinter die eigene Unsicherheit
und das eigene Unverständnis, wie man diese
Zusammenhänge, selber kaum erlebt und gelebt,
einem anderen Menschen vermitteln soll.
Hier hilft nur eins: Absolut offen und ehrlich
sich selber und anderen gegenüber sein und
bleiben.
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